Hallo da draußen!
Wir sind der Stadtfabrikanten e.V. – ein in 2016 gegründeter Verein auf dem Sonnenberg. Wir betreiben eine Werkstatt, die wir selbst ausgebaut und eingerichtet haben. Mit eigenem Einsatz, Gerätschaften, Ideenreichtum und Durchhaltevermögen. Über unsere gemeinsame Gründungsidee – Zeit, Platz, Maschinen und Wissen einander zu teilen – haben wir verschiedene Bereiche zur Selbstverwirklichung und Selbststudium erschaffen und wir pflegen diese, wie wir können.
So haben wir einem schwierigen Umzug, städtischer Überverwaltung und Zuständigkeitszuständigkeiten der Zuständigkeiten, Wasserschäden, Stillstand und Co. getrotzt und vieles über uns übergehen lassen. Über all die Jahre haben wir eine größere Gruppe von Leuten geformt, die bis heute größtenteils geblieben sind, die die Idee gemeinsam tragen und aus ihr etwas Erlebbares machen. Dabei geht es weder nur um Gespräche des Labernmüssens, noch um Technik des Technikwillens. Es ist die soziokulturelle Gemeinschaft, die sich gebildet hat und sich aus Eigendynamik zusammenkittet. Das kann man nicht kaufen.
Nur einer von vielen.
Dabei sind wir nur ein Verein von vielen. Wir sind Leute, die sich in Chemnitz engagieren und des Öfteren mal den Arsch aufreißen. Wir sind seit Gründung schon immer im gleichen Stadtquartier und drumherum aktiv und das mit Herz und Seele, mit Fleiß und Idealismus. Wir halten uns aber nicht für wichtiger als alle anderen Vereine da draußen, die sich ebenfalls den Arsch aufreißen, um Leuten wie dir und mir eine gute Zeit und Gehör zu geben, sie zu ermächtigen, aufzufangen, zu integrieren, zu motivieren, auf einen guten Weg zu bringen oder auf andere Gedanken zu bringen.
Narrativ versus Realität
Leider gibt es seit langer Zeit ein nebulöses Erzählungsgeflecht, das in den letzten Jahren in Chemnitz entstanden ist, sich unangenehm mit seinen Spuren ausbreitet und an vielen Stellen nicht mit unseren eigenen Wertevorstellungen überein geht, mit denen wir am Anfang mal ins Rennen gegangen sind. Im Hintergrund wirken oft komplexe Machtstrukturen, an denen viele Menschen beteiligt sind, ohne sie vollständig zu durchschauen. Häufig investieren sie viel Zeit und Energie, bevor sie die Zusammenhänge besser erkennen – und sich dann aus diesem System wieder lösen oder gelöst werden.
Auch wir haben in den letzten Jahren punktuell in diesen Strukturen versucht, uns zu orientieren, um nicht unterzugehen oder wurden davon angesogen. Das hat uns nicht immer gefallen und war stets eine Gratwanderung, da auch wir Teil medialen Konstruktion anderer Hochglanzprojekte waren.
Wir sind keinem lokalen Verband oder einer festen Organisation zugeordnet. Vielmehr verstehen wir uns als ein eigenständiger Teil eines größeren Ganzen vor Ort. Dazu zählt eben auch die Stadtwirtschaft, wo wir einer unter vielen sind. Als offene, unabhängige Gruppe wirken wir in unserem eigenen Rahmen und mit eigener Ausrichtung. Zwar bewegen wir uns im Umfeld der Kultur- und Kreativwirtschaft, betrachten diese jedoch nicht in erster Linie als wirtschaftliches Instrument, sondern als Möglichkeit mit unserem Engagement einen sinnvollen Beitrag für andere Menschen zu leisten.
Wir verwenden den Begriff „Maker“ schon lange für unser Handeln, nehmen aber zunehmend wahr, dass er immer unschärfer und beliebiger gebraucht wird. Gerade im Zuge größerer Aufmerksamkeit wird „Makerkultur“ oft vereinfacht dargestellt und auf schnell konsumierbare Eindrücke reduziert. Dabei geraten grundlegende Werte und Inhalte zu leicht in den Hintergrund. Aus unserer Sicht besteht die Gefahr, dass der Begriff dadurch an Klarheit und Aussagekraft verliert – und damit auch an Attraktivität für die Menschen, die sich ernsthaft damit identifizieren möchten.
Die Vielzahl an Schlagwörtern und immer neuen Kombinationen rund um „Maker“ führt dazu, dass der Begriff zunehmend überstrapaziert wird. Durch diese inflationäre Nutzung verliert er an Schärfe, wirkt beliebig und läuft Gefahr, an Bedeutung und Glaubwürdigkeit einzubüßen. Zu oft liest und hört man Dinge wie Make!, maker-space.eu, Maker Spots, Maker Business Arts, Maker-März, Maker-Jahr, Maker Advent, Maker Pop-Up, Makers United, Maker Residence, Makerhub, Maker-Community, Makermomente, Maker-Tourismus-Narrativ, Maker-Narrativ, Maken, Maker Science, Makerfestival, Maker-DNA und so weiter.
Das alles ist im Summe leider nicht Mega, sondern tendiert zu Rotz und läuft nicht wirklich. Von der ursprünglichen und immer noch woanders lebendigen "Maker Movement" Subkultur, stehend für Do it yourself und Do it together, ist hier bedauerlicherweise nicht mehr viel erkennbar und hilft nicht dabei, jemandem eine Lanze zu brechen.
Alles "Maker" oder was?
In keiner anderen Region wird der Begriff "Maker" so zentral ausgehöhlt und zur Leerphrase gemacht, wie in unserer Stadt. Alles und jeder ist nun Maker. Maker maken und es wird überall und immer etwas gemaked. Das nervt zu Recht Leute, die vorher traditionelle und gelernte Metallbauer, Schneider, Glaser oder Tischler waren und es noch immer sind oder werden wollen – die sind jetzt auf einmal auch zum Maker degradiert? Aber die Handwerkskammer heißt jedoch mal nicht Makerkammer und die Selbstständigen wollen nicht unter diesem Erntepflug landen. Sie wollen weiterhin ihre Profession und Berechtigung behalten.
Vor allem wird viel unseener Unsinn gemaked: Ressourcen werden blind angeschafft, aber nicht zur Lebzeit genutzt, nicht dokumentiert, nicht übergeben, nicht nachgenutzt. Steuergelder werden verbraten, aber nicht deren Einsatz öffentlich kritisch hinterfragt. Dinge verkommen und werden einfach nicht wertgeschätzt und lieblos in den Keller gesperrt oder auf der Straße zum öffentlichen Vergammeln stehen gelassen. Leute werden auf Produktivität getrimmt, um auf Instagram und Co. schöne Bilder abzugeben und danach ist die Story häufig jedoch vorbei. Es gibt viele schnelllebige Mitmachaktionen, die in 5 Minuten zeigen sollen, wie ein komplexes Handwerk funktionieren soll. Die gelebte Instagram-/Tiktok-/YouTube-Mentalität zerstört den Kern geht am eigentlichen Machen völlig vorbei.
Als Verein maken wir nicht und sind erst recht kein Make Donalds. Wir haben keinen Drive-in Schalter, wo man schnell was maked und wieder abhaut. Ja, wir sind ein Makerspace, FabLab, offene Werkstatt. Wir sind eines von ca. 600 Mitgliedern deutschlandweit, die auch solche Werkstätten betreiben und sich auch mit anderen Themen auseinandersetzen – wie Reparatur, Materialkreisläufen, Open Source, Open Knowledge und auch einer Portion Quatsch aus dem Willen des Experimentierens und lernen wie man es ggf. besser oder gar nicht machen sollte. Wir sind offen und gemeinnützig.
Inhaltliche Fokussierung und gegen schnelle Vermarktung
Uns geht es nicht um Instagram-Clicks auch nicht um die Bildung eines abhängig machenden Suchtfaktors. Bei uns wird nicht vorrangig mal schnell gemacht und wir sind auch keine "ich lass mal machen" Dienstleister für die, die nichts mehr selber machen wollen oder gar können und das zudem auch gar nicht verstehen können oder wollen. "Makerspace" – so nannten wir uns schwerpunktloyal schon lange vor der europäischen Kulturhauptstadt und bevor Organisationen kamen, um daraus etwas anderes zu basteln, als es ist.
Wir sind folglich kein Teil einer so genannten Maker Region, die nicht mehr ist, als andere Regionen auch. Wir wollen diesen Verkaufs-Slogan nicht einmal als Phrase mitformen. Wir sind aus solchen Gründen auch nicht auf maker-space.eu vertreten.
Wir sind an einem der Orte gelandet, die sich durch massiven medialen Aufwand "Makerhubs" nennt. Diese Makerhubs wurden im starken Kontrast zur Philosophie herkömmlicher offener Werkstätten top-down installiert., das heißt ohne die Basis derer Einzelcharaktäre vor Ort, die das ganze Konstrukt dauerhaft wirklich (er)tragen können - z.B. als willentlich gegründeter Trägerverein oder gGmbH.
Wir leben mit und für Inhalte, sind aber keine Contentlieferanten für das nächste günstig erzeugte Foto-Set. Wir brauchen keine Fassaden aus Hochglanzvideos, hinter denen wir uns verstecken. Wir brauchen keine Manager, die unser eigenes Tun ins Netz verspinnen und als Proxy Reaktionen für unser eigenes Engagement einsammeln.
Unsereins verwaltet sich selbst – weil wir das können, müssen und wollen. Wir haben vitale Netzwerke aus Gleichgesinnten mit ähnlichen Ansichten und Tätigkeiten.
Unser Verein steht für Zusammenarbeit mit lokalen Akteuren und Einzelpersonen, Knowhow-Sharing, Netzwerken auf Augenhöhe, Eigenverantwortung.
Wir sind die Stadtfabrikanten - die kann man nicht kaufen.
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